Pizza
Wed, 02/01/2012 - 16:11
Die Geschichte der Pizza in Wien ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Oder auch einer Geschichte voller - sagen wir es wie es ist - Verarschungen. So wurde mir erst letztlich eine überteuerte Pizza vorgesetzt, die mit angeblich "pikanter italienischer Salami" belegt hätte sein sollen, aber tatsächlich nur mit billigster Dauerwurst vom Typ "Wiener" getoppt war. Ich nenne jetzt natürlich keine Namen, rate ihnen an dieser Stelle aber trotzdem davon ab, jemals die Pizzeria Provaci in der Wiener Heiligenstädterstrasse zu besuchen...
Schlechte Pizza um wenig Geld zu bekommen ist nirgendwo so einfach wie in Wien. An jeder Strassenecke bekommt man armselig vor sich hinvegetierende Pizzastücke, die seit Stunden keinen Ofen gesehen hatten und traurig darauf warten, dass sich irgendein geschmackloser Konsument ihrer erbarmt und vor der endgültigen Vertrocknung durch die Wärmelampe rettet...
Gute Pizza um viel Geld zu bekommen ist eigentlich auch nicht schwer. Nur kosten in jenen Lokalen eben nicht nur die Teigscheiben mehr, sondern schlicht und einfach alles. Und spätestens wenn die Rechnung kommt ist das ganze Pizzaessen keine runde Sache mehr!
Und genau hier setzen Gabi und Robert Huth an! Nachdem sie mit ihren Lokalen "Huth Gastwirtschaft", "Huth Beisl", "Da Moritz" und dem recht neuen "Huth im Haus der Musik" ja schon bewiesen haben, dass sie den ersten Wiener Bezirk kulinarisch auf hohem Niveau und zu moderaten, aber nicht günstigen Preisen, aufmischen können, erfüllten sich die beiden jetzt einen langgehegten Wunsch...
"Eatalico" heißt das fünfte Lokal den Restaurantimperiums der Huths, nur diesmal befindet sich das Lokal im zweiten Bezirk und ist absichtlich niedrigpreisig. Mehr noch: Das angenehm beleuchtete und funktional-stylisch eingerichtete Lokal ist für seine Kunden sogar richtig sparsam. Denn während man in anderen Lokalen - egal ob niedrig- oder hochpreisig - immer noch schief angeschaut wird, wenn man sich eine Pizza teilen möchte, wird man hier offensiv dazu aufgefordert. Und das macht auch Sinn! Denn die Pizzen die auf einem 350 Gramm Teigklumpen basieren, kommen nach dem Backen im eigens konstruierten Gas-Stein-Ofen auf eine fast größenwahnsinnige Dimension von 45cm! Natürlich kann man versuchen so ein Ding alleine zu essen. Ich habe es auch versucht. Keine Chance! Geschmacklich war die Teigscheibe überdurchschnittlich in Ordnung, der hauchdünne Teig war auch in der oft so labbrigen Mitte noch knusprig, meine Salami roh und intensiv und sogar die bunten Pfefferoni-Stücke deshalb wirklich gut, weil sie nicht eingelegt, sondern frisch waren! Von so einem Teil wird man locker zu zweit satt und es hier bereits Usus, dass eine Pizza mit zwei komplett unterschiedlichen Belägen serviert wird! Und günstig ist das ganze tatsächlich, kostet doch kaum eine Pizza mehr als 10 Euro.
Auch bei der Pasta wird man nicht arm! Sämtliche der a la Minute geköchelten Pastagerichte kommen bei einem Portionsgewicht von einem knappen halben Kilo kosten weit unter 10 Euro. Ich probierte die Penne Arrabiata, die mit frischen Cherrytomaten und frischem Basilikum gereicht wurde. Wunderbar, leicht scharf und auf den Punkt geköchelt. Natürlich waren sie kein Vergleich mit vergleichbaren Nudeln in der Spitzengastronomie oder in kleinen apulischen Trattorien. Aber für diesen Preis ganz großartig!
Warum hier im Eatalico gelungene Küche mit Niveau in großen Formaten aber zu günstigen Preisen angeboten werden kann ist leicht erklärt: Die Rohstoffe sind einfach, günstig und frisch. Der Teig für die Pizza wird selbst hergestellt und auf der Karte ist keinerlei übertriebene Bobo-Zutat zu finden. Während andere Lokale die Büffelmozarella zum Mantra erklären, wird hier eine eigene günstige aber durchaus schmackhafte Käsemischung verwendet. Und auch beim Wein wird hier gespart ohne auf Qualität zu verzichten! Wer - wie ich - die Pizza gerne mit reichlich Rotwein runterspühlt, dem sei sogar der günstige offene Wein - ein burgenländischer Zweigelt - zu empfehlen, der hier aus der Magnumflasche ausgeschenkt wird. Diese kostet im ganzen übrigens nur 26, 5 Euro, was für zwei Normalflaschen im Lokal ein Schnäppchen ist!
Nein, das "Eatalico" ist nicht das beste italienische Restaurant Wiens. Und auch nicht die beste Trattoria oder Pizzeria der Hauptstadt! Aber das will das "Eatalico" auch gar nicht sein! Sondern nur ein feines neues Lokal mit bemühtem Personal, guter Küche, gigantischen Pizzen, frischer Pasta und mehr als günstigen Preisen. Zum Candlelight-Dinner würde ich wohl kaum hingehen, zum gemütlichen Pizzaessen mit Freunden aber sehr wohl! Das Konzept für das Lokal ist aufgegangen. Chapeau, liebe Huths!
Eatalico
Praterstrasse 31
1020 Wien

